Fragen und Antworten zum echten Sokratischen Dialog

Fragen:

  1. Was ist der Sokratische Dialog?
  2. Woher stammt der Sokratische Dialog?
  3. Wo findet man den Sokratischen Dialog?
  4. Wozu dient der Sokratische Dialog?
  5. Hat der Sokratische Dialog etwas mit Suggestion, Hypnose oder Magie zu tun?
  6. Ist der Sokratische Dialog irgendwie gefährlich?
  7. Gibt es Weiterentwicklungen des Sokratischen Dialogs?
  8. Gibt es Verbesserungen des Sokratischen Dialogs?
  9. Wieso ist der Sokratische Dialog so weitgehend unbekannt?
  10. Was ist die Geschichte des Sokratischen Dialogs?
  11. Was erfährt oder erhält man noch beim Lesen der Sokratischen Dialoge?
  12. Sind die Sokratischen Dialoge schwierig zu lesen?
  13. Wo und wie fängt man beim Lesen der Sokratischen Dialoge am besten an?
  14. In welcher Folge kann man sich den Sokratischen Dialogen am besten nähern?
  15. Kann Sekundärliteratur beim Verständnis der Sokratischen Dialoge helfen?
  16. Kann man nicht einfach eine Inhaltsangabe lesen statt der platonischen Dialoge?
  17. Was macht den Sokratischen Dialog Platons so interessant?
  18. Was macht den Sokratischen Dialog Platons so einzigartig?
  19. Was macht den eigenen Sokratischen Dialog so interessant?
  20. Was macht den eigenen Sokratischen Dialog so einzigartig?
  21. Braucht man für den Sokratischen Dialog immer einen Gesprächspartner?
  22. Wie verhält sich der Sokratische Dialog zu unserem eigenen Denken?

 

Antworten:

1) Was ist der Sokratische Dialog?

Der Sokratische Dialog ist eine Gesprächsform, die uns zu erkennen hilft, was wir wirklich meinen und denken und was andere Menschen meinen und denken.

2) Woher stammt der Sokratische Dialog?

Der Sokratische Dialog geht, wie der Name es andeutet, zurück auf den Philosophen Sokrates, der diese Denk- und Gesprächsform entwickelte.

3) Wo findet man den Sokratischen Dialog?

Den Sokratische Dialog finden wir ausführlich wiedergegeben und erklärt in den Schriften Platons. Und wir finden ihn in schriftlicher Form auch nur in den Schriften Platons, soweit mir das bekannt ist. Eine durchgehende Übersetzung der Dialoge wurde von E.F.D. Schleiermacher geleistet. Seine Übersetzung bestimmte auch maßgeblich die Übersetzung in andere lebendige Sprachen. Die Dialoge gibt es (von anderen Übersetzern) auch im Netz unter www.opera-platonis.de bzw. direkt unter diesem Link.

4)  Wozu dient der Sokratische Dialog?

Der Sokratische Dialog dient der Erkenntnis des eigenen Fühlens, Meinens, Denkens. Er dient dem Wissen, der Weisheit und nicht zuletzt der Selbsterkenntnis. Und er dient dazu, andere Menschen auf dem Weg zu diesen Erkenntnissen zu unterstützen.

5) Hat der Sokratische Dialog etwas mit Suggestion, Hypnose oder Magie zu tun?

Nein, überhaupt nicht. Der Sokratische Dialog braucht und verwendet eine klare, ganz einfache Sprache und ein waches Bewusstsein.

6) Ist der Sokratische Dialog irgendwie gefährlich?

Nein. Im Gegenteil; der Sokratische Dialog ist heilsam. Aber er weist deutlich auf Gefahren hin. Nebenbei: Gefährlich ist es eher dort, wo es den Sokratischen Dialog nicht gibt, wo z.B., aus welchen Gründen auch immer, die Rede- und Gedankenfreiheit eingeschränkt ist.

7) Gibt es Weiterentwicklungen des Sokratischen Dialogs?

Es gibt seit dem letzten Jahrhundert Versuche der Weiterentwicklung (Sokratische Gespräche, Neosokratik) und verschiedene reduzierte Gesprächsmodelle, die den Sokratischen Dialog stark vereinfacht nutzen wollen. Weiterentwicklungen sind dies jedoch nicht, es sind lediglich Reduzierungen. Teilweise sind die Verfahren auch derart verändert, dass sie mit dem Sokratischen Dialog keine Gemeinsamkeit mehr haben.

8) Gibt es Verbesserungen des Sokratischen Dialogs?

Verbesserungen des Sokratischen Dialogs gibt es nicht. Der Sokratische Dialog ist ebenso vollendet wie es die Grundlagen der Mathematik sind. Eine Verbesserung für das eigene Leben besteht aber immer darin, den Sokratischen Dialog nicht nur in Platons Schriften ruhen zu lassen, sondern ihn im Leben auch anzuwenden, ihn ins Leben hineinzutragen.

9) Wieso ist der Sokratische Dialog weitgehend unbekannt?

Die Schriften Platons, aus denen man den Sokratischen Dialog lernen kann, waren über viele Jahrhunderte nicht verfügbar oder verboten. Und zusätzlich benötigt der Sokratische Dialog, damit er leben kann, die Möglichkeit einer Freiheit des Geistes und auch die Redefreiheit. Beides ist uns (hier) erst seit wenigen Jahren gegeben; wenn überhaupt. Der Sokratische Dialog steht dadurch erst am Beginn seiner Bekanntheit.

10) Was ist die Geschichte des Sokratischen Dialogs?

Die Geschichte des Sokratische Dialog ist eine große Geschichte, der ich gerne ein eigenes Kapitel widmen möchte. Mit dieser Frage hatte ich mich in den 90ern befasst. Das möchte ich gerne aufarbeiten. Antwort folgt!

11) Was erfährt oder erhält man beim Lesen der Sokratischen Dialoge?

Beim Lesen der Sokratischen Dialog ist man als Gast anwesend in einem Gespräch zwischen meistens zwei oder drei Menschen, die sich über eine relevante Frage, einen Wert also, unterhalten und beraten. Die Anregungen und Beispiele dieser Gespräche sind – wie zufällig – mit zahlreichen Lebenserkenntnissen und Erfahrungen gespickt, die gleichermaßen wie für das antike Leben auch für unser heutiges Leben hilfreich, interessant und anregend sind oder zumindest sein können.

12) Sind die Sokratischen Dialoge schwierig zu lesen?

Die Sokratischen Dialoge sind in Ihrer Übersetzung, am besten wählt man die von Schleiermacher, für jeden Menschen lesbar, der auch ein anderes Buch, in dem Menschen sich Gedanken machen, lesen kann. Jeder kann leicht einsteigen und in vertiefter Lektüre wird man mehr und mehr vertieftes Interessantes finden. Die Sokratischen Dialoge Platons sind also leicht lesbar, ohne auch nur an irgend einer Stelle zu verflachen. Ungewöhnlich fürs erste Lesen sind lediglich die griechischen Eigennamen. (Die Menschen hießen damals eben nicht Peter, Christine, Ulrike oder Paul.) Hier kann aber meistens Wikipedia (www.wikipedia.de) oder ein Lexikon rasch weiter helfen, wenn es von Interesse ist.

13) Wie fängt man beim Lesen der Sokratischen Dialoge Platons am besten an?

Ein alter Ratschlag – ich glaube, er stammt von Schleiermacher oder von Hegel – lautet: "Man vergesse alles, was man bisher über Sokrates und Platon gehört hat und mache sich an die eigene Lektüre." Dieser Ratschlag erscheint mir sehr hilfreich. Alle Vorurteile vereiteln nur die eigene Erkenntnis und die eigene Freude im Erkenntnisgewinn.

14) In welcher Folge kann man sich den Sokratischen Dialogen Platons am besten nähern?

Die Sokratischen Dialoge Platons besitzen meist Untertitel, in denen das Thema oder ein Thema, über den der Dialog handelt, benannt wird. Man kann sich also selbst beim Einstieg ins Lesen und in dessen Folge von seinen eigenen vorherrschenden Interessen leiten lassen. Empfehlenswert ist hier eine Auswahl aus den frühen oder mittleren Dialogen aus Platons Schaffenszeit. Wer keine Schau vor der Historie hat, kann auch die Apologie des Sokrates, seine Verteidigungsrede vor Gericht, als Einstieg nutzen. In dieser Rede beschreibt Sokrates sein Tun und Wirken.

15) Kann Sekundärliteratur beim Verständnis der Sokratischen Dialoge Platons helfen?

Die Sekundärliteratur bietet sehr unterschiedliche Sichtweisen auf Platon und Sokrates an. Für das eigene (erste) Verstehen des im Dialog Besprochenen ist die Sekundärliteratur nicht hilfreich. Die Dialoge Platons sind sich meist selbst genug Erklärung. Für ein weitergehendes Studium kann es aber sehr wohl hilfreich sein, die eigene gewonnene Sichtweise durch die Sichtweise anderer Autoren zu überprüfen.

16) Kann man nicht einfach eine Inhaltsangabe lesen statt der platonischen Dialoge?

Inhaltsangaben geben nur den interpretierten Inhalt des Gesprochenen wieder und besitzen sehr unterschiedliche philosophische Qualität. Das Wertvolle am Sokratischen Dialog ist aber der Weg, den das Denken im Dialog nimmt, um zu seinen Ergebnissen zu gelangen. Hieraus können wir am meisten lernen. Und hieraus können wir auch die größte Erkenntnisfreude gewinnen. Um diese können uns Inhaltsangaben nicht bringen; sie können eher wirken wie "Spoiler", die uns die Spannung, die Neugier und das Interesse vergraulen. Nach der eigenen Lektüre die Inhaltsangabe eines anderen Menschen zu lesen, ist jedoch meist sehr interessant und aufschlussreich.

17) Was macht den Sokratischen Dialog Platons so interessant?

Im Sokratische Dialog Platons kann man selbst auf leichte Weise miterleben, erfahren und erlernen, wie viel mehr unser menschliches Denken auf einfache Weise doch leisten kann, als wir davon in Anspruch nehmen.

18) Was macht den Sokratischen Dialog Platons so einzigartig?

Es gibt leider keine vergleichbaren anderen Dialoge, aus denen man auch nur annähernd vergleichbare klare Erkenntnisse gewinnen könnte. Zumindest mir sind keine bekannt; über Hinweise würde ich mich aber sehr freuen.

19) Was macht den eigenen Sokratische Dialog so interessant?

Es ist spannend, Neues über sich selbst zu erfahren und Klarheit zu gewinnen in eigenen Bereichen, die einem selbst zuvor vielleicht verborgen blieben. Und schließlich kann der Dialog auch von fest zementierten Annahmen, die uns auf dem Weg unserer weiteren Entwicklung und Erkenntnis behindern, befreien und den Weg zu neuen Ufern frei machen. Und auch das ist, ganz abgesehen vom Nutzen, sehr interessant.

20) Was macht den eigenen Sokratische Dialog so einzigartig?

Jeder Sokratische Dialog ist so einzigartig wie der Mensch der ihn führt. Hier geht es um das eigene Denken, die eigene Weltsichtweise, schlicht: das Eigene schlechthin.

21) Braucht man für den Sokratischen Dialog immer einen Gesprächspartner?

Nein, das braucht man nicht; vorausgesetzt man beherrscht den Sokratische Dialog und ist in ihm erfahren. (Dann wird man aber sowieso nach Dialogpartnern Ausschau halten wollen!) In jedem Fall, besonders aber wenn man im Sokratischen Dialog unerfahren ist, ist ein erfahrener Dialogpartner sehr hilfreich. Mindestens einer der Gesprächspartner muss den Sokratischen Dialog wie selbstverständlich beherrschen; sonst geht die Sache schief.

22) Wie verhält sich der Sokratische Dialog zu unserem eigenen Denken?

Der Sokratische Dialog verbessert, klärt, sichert und befreit unser eigenes Denken. Unser Denken findet ohnehin immer in einem inneren Dialog statt. Und je klarer und sokratischer dieser Dialog ist, um so klarer kann auch unser Denken sein.

 

Michael Gutmann, Berlin
SokratesBerlin.de

 


 

Meta-Title: FAQ - Fragen und Antworten zum Sokratischen Dialog nach Platon

 

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